Das katholische Manifest


 

1.   "kat-holisch" = griechisch, zusammengesetzt aus

„kat“ = „herunter (vom Elfenbeinernen Turm) auf“ und

„holisch“ (= heute „holistisch“) = „das Ganze betreffend“, „ganzheitlich“, "allgemein", d.h. alle Menschen in allen Lebenssituationen - und damit auch alle Religionen - einschließend

2. „christlich“ = abgeleitet von „Christus“, dem Ehrentitel Jesu.

„Christus“ = griechisch, eine Übersetzung des hebräischen „Messias“, zu deutsch „der Gesalbte“; gesalbt wurden die israelischen Könige; mit „Messias“ ist aber insbesondere ein Mensch gemeint, der das Volk Israel aus der (Gefahr der) Sklaverei befreit. David galt als „Messias“. Die Israeliten glaubten, dass Gott immer dann einen „Messias“, einen Retter, schicken würde, wenn die Israeliten in Sklaverei gerieten.

Da Jesus Gott als seinen und unseren „Vater“ bezeichnete, ist in seinen Augen ein jeder Mensch ein  "Sohn“, eine „Tochter" Gottes. Diese Sicht ist eine besondere Sicht des Christentums, also wesentlich „christlich“.

Die christlichen Theologen sprechen daher von der menschlichen Seele als "anima naturaliter christiana", d.h. sie meinen, dass die Seele den Menschen von Natur aus dahin drängt, so zu sein, wie er als „christlich“ sein soll, nämlich messianisch, rettend.

3. Sohn/Tochter Gottes = unmittelbar aus dem Einen hervorgegangen (im Schöpfungsbericht: "Kopie von Gott"; im Credo: "gezeugt, nicht geschaffen") und immer in unmittelbarer Verbindung mit "ihm".

4. Gott = das Eine = das All = die Lebenskraft = die Kraft, die alles bewegt

Der Mensch ist daher Teil der Erscheinung Gottes. Er hebt sich zeitlich und lokal ab von anderen seiner Formen und ist beeinflusst von der zeitlichen und lokalen Nachbarschaft, die ihm auch den Eindruck gibt, etwas Separates zu sein und die ihn zum Egoismus, d.h. zur Angst, zu kurz zu kommen, veranlasst. Einmal in dieser Sicht der Welt gefangen, gibt es nur eine Möglichkeit des Entrinnens: Kapitulation.

5. Egoismus = die behauptete Separiertheit von der Kraft des Ursprungs. Aus ihr folgen alle menschlichen Ängste und Gräuel.

6. Die behauptete Separiertheit muss vergehen, entweder im Prozess der Lebenserfahrung (Reifung durch Leiden, resultierend in der erlösenden „Kapitulation“, also in der freiwilligen Hingabe der eigenen Existenz an das Eine) oder im Prozess des physischen Todes (im "Feuersee" der Apokalypse).

Das Bild vom "Feuersee" bedeutet, dass das Ego im Tod die endgültige Vergeblichkeit allen separaten Strebens erlebt – und zwar eben so (als alles auslöschendes und daher „ewiges“ "Feuer").

 


TC



 

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