Der Motor der Evolution:

Sehnsucht und Schmerz

(31.7.2001)

 

 

 

Sehnsucht heilt. Heilung (die Lösung) kommt von selbst. Es ist ganz einfach: Du betrachtest Deine Wirklichkeit. Du fühlst den Schmerz deiner Wirklichkeit. Und dann fühlst du der Sehnsucht nach, dem Traum, versuch es, auch wenn der Traum vielleicht jetzt gar nicht mehr wahrnehmbar ist, weil du mit ihm schon so lange keinen Kontakt mehr hattest, dass er inzwischen verschwunden zu sein scheint. Falls du im Moment also keinen Zugang hast zu deiner Sehnsucht, erlaube dir einfach einen Anflug von Glück, jetzt. Und wenn ein Hauch davon da ist, geh zurück zu dem Schmerz und fühle dann von da aus noch einmal deine Sehnsucht nach dem Glück. Lass sie von da aus sich ausbreiten. Und wenn du dann den Schmerz wieder fühlst, weil du doch so weit weg bist von deinem Glück, wenn dein Schmerz also noch verstärkt ist durch deine Sehnsucht, dann bist du einfach traurig darüber, dass du so weit entfernt bist von deiner „Heimat“, von der du träumst, wo du angekommen bist und wo du aufgenommen bist, wo du wer bist, weil du ganz angenommen bist. Und diese Trauer fließt in ein Gebet. Und das lautet vielleicht irgendwie so: Oh du Energie, aus der ich geworden bin. Du fließt jetzt doch immer noch in allen meinen Adern. Ich schaffe es nicht, mich meinem Glück auch nur eine Spur zu nähern. Du musst es machen, du musst mich zu meinem Glück führen, ich kann es nicht, aber du kannst es. Du wolltest doch niemals, dass ich untergehe, du wolltest doch von Anfang an, dass ich blühen kann, also hilf mir nun, dass ich nicht untergehe. Hilf mir! Sogar ich freue ich mich ja doch über das Blühen überall. Also lass mich endlich auch blühen. Hilf mir. Ich schaffe es nicht. Du musst es für mich schaffen. Hilf mir. Hilf mir.

Und dann kommt Hilfe. Unglaublicherweise hat dieses Gebet eine Wirkung, die wir gar nicht für möglich gehalten haben. Plötzlich bekommen wir tatsächlich Hilfe, nachdem wir jahrelang umsonst darauf gehofft hatten. Und mit jedem Schritt bekommen wir neue Hilfe, wenn wir diesen Weg fortsetzen.

 

Es ist so einfach. Jeder kann diesen Weg gehen. Das einzige Hindernis ist unsere Idee, wir müssten es selbst schaffen, wir müssten gut sein. Solange wir glauben, wir wären gut oder dass wir zumindest gut sein könnten, wenn die Bedingungen besser wären, gibt es keine Antwort auf unser Gebet. Wir haben dann nämlich die Wahrheit verlassen. Wir können nämlich nicht gut sein, keiner ist gut. Jeder hat seinen Schatten. Das ist unvermeidlich. Wir können es daher genauso gut aufgeben, gut werden zu wollen. Wir brauchen nicht gut sein, wir brauchen nur ehrlich sein. Und ehrlich sein heißt: Unserer Sehnsucht folgen und nicht irgendwelchen äußerlichen Bildern. Genau das befiehlt das erste Gebot, nicht irgendwelchen Bildern folgen. Dieses Bildern folgen, was die meisten ja tun, ist das ganze Übel. Es ist unehrlich. Der Ausweg aus dem Übel ist, zugeben, dass wir es nicht schaffen. Keiner schafft es, auch der Beste nicht. Solange wir Bildern folgen, die ja gar nicht von uns stammen, wissen wir nicht einmal, was wir eigentlich schaffen möchten. Wenn wir der Wahrheit allein folgen, brauchen wir keine Bilder mehr. Dann zeigt sich der nächste Schritt von selbst. Die Wahrheit ist, dass wir unser Glück nicht schaffen können, dass aber jene Energie es ist, die es schafft, aber nur wenn wir sie auch lassen. Dann schafft sie das Beste für uns, denn sie will ja das Beste. Und diese Energie ist nicht irgendeine altertümliche, überholte Instinktform, die uns zu Tieren macht, wie wir das vielleicht befürchten. Nein diese Energie ist vollkommen up to date. Sie ist vollkommen menschlich und sie weiß alles, was wir wissen und viel mehr. Sie sieht nämlich, wo es das gibt, was wir möchten und sie führt uns da hin. Bei den Indianern gibt es dazu die Geschichte von den Cojote-Roben, die alle, die sie anziehen, befähigen, zu sehen, wo es Büffel, also Nahrung, gibt. Diejenigen, die es wagen, nicht einmal über Tiere sich zu erheben, werden von ihrer Natur ausgestattet mit einer Sicht, die alle Probleme löst. So sehen es die Indianer. Ich sehe es ähnlich: Diese Energie führt uns besser als jede eigene Suche. Allerdings kann sie uns auch zu einer solchen eigenen Suche bringen. Denn wir müssen die Befehle der Energie ja ausführen, damit wir ans Ziel unserer Träume kommen. Alles kann auf dem Weg liegen. Und wir müssen einen Schritt nach dem anderen gehen, aber genau so sagt es uns diese Energie auch, einen Schritt nach dem anderen. Und sie mutet uns immer nur das zu, was wir uns trauen - umso mehr, umso mehr wir uns trauen. Und so oder nur so erfüllen sich schließlich unsere Wünsche, indem wir sie ausführen.

Die Wege dieser Energie sind manchmal völlig undurchschaubar, sie mögen gelegentlich sogar wahnsinnig erscheinen. Das geschieht aber erst, wenn wir uns bereits sehr viel trauen - vorher ist das, was wie Wahnsinn erscheint, wirklich Wahnsinn. Jeder Schritt ist natürlich eine neues sich Trauen. Bis wir uns alles trauen. Jesus hat sich am Ende sogar getraut, in den Tod zu gehen, im Vertrauen auf die Führung, das er sein ganzes Leben lang gepflegt hat. Und nicht einmal in diesem Schritt ist er enttäuscht worden. Das meint die Lehre von der Auferstehung.

Die erste Auferstehung findet aber schon viel früher statt, nämlich sobald ein Mensch erkannt hat, dass er es nicht schaffen kann. Sobald er das zugibt wird in ihm jenes Gebet entstehen, von dem ich vorher schrieb. Und darauf folgt die erste Auferstehung. Und es folgen noch tausend neue Auferstehungen auf diesem Weg, bis es keinen Zweifel  mehr gibt. Dann ist das Leiden zu Ende, dann ist Heilung eingetreten. Dann gibt es kein Halten mehr für die Sehnsucht, dann nimmt die Vision Gestalt an. Träume verwirklichen sich. Von selbst, aber doch durch uns und für uns. Aber natürlich nicht nur für uns, sondern auch für alle anderen, die damit zu tun haben. Wir brauchen gar nicht an sie denken, sie werden erscheinen, sobald es so weit ist und wir werden wissen, was wir mit ihnen zu tun haben. Und es wird gut sein für uns und für sie.

 

Wenn das Paradies irgendwo erscheint, dann zieht das Kreise. Es warten doch alle schon so sehnsüchtig darauf. Sie haben nur so viel Angst. Deshalb brauchen sie einen Anstoß, einen Anstoß zum Vertrauen. Sie müssen mit eigenen Augen sehen, dass es möglich ist. Dann trauen sie sich auch.

Was trauen sie sich dann auch? Zu kapitulieren vor dieser Energie und ihr die Führung zu überlassen. Wir brauchen nur die Initialzündung machen, indem wir uns erlauben unsere Wahrheit zu betrachten, nämlich unseren Schmerz und unsere Sehnsucht. Das ist der Motor. Es war schon der Motor zum Urknall, zur Entstehung der Universen, es war der Motor der Evolution vor uns und es ist auch der Motor unserer eigenen Evolution. Der Motor besteht aus einer einfachen und zugleich dreifachen Wahrheit: Die Energie, die zwischen Schmerz und Sehnsucht oszilliert, treibt die Schöpfung und uns auch. Und sie treibt uns zu unserer Vollkommenheit, zu unserer Ganzheit, zu unserem Glück, zu unserem Heil.

Der Motor schafft aus der Einheit Dreiheit in der Einheit und aus der Dreiheit dann die Vielheit. Und die Vielheit treibt er zurück zur Einheit. Das ist der ganze Zyklus dieser Energie.

Der „Vater“ spürt eine Sehnsucht. Die Einheit schmerzt ihn. Er möchte ein Gegenüber. Und die Sehnsucht sprießt ein Gegenüber. Im Christentum ist das „der Sohn“. Die Energie, aus der etwas sprießt, ist „der Geist“. Und nachdem nun der Anfang gesetzt ist, ist der nächste Schritt, der nun „von selbst“ folgt, die Vielheit. Im christlich/jüdisch/islamischen und auch im hinduistischen Bereich ist das die Schöpfung.

Von da an ist der Schöpfer nicht mehr frei, denn von da an muss er für die Rückkehr der Vielheit in die Einheit sorgen und er tut alles dafür. Er entfaltet sich in jedem Wesen in dieser Weise, sobald das Wesen ihn lässt. Die schöpferische Energie treibt es dann zur Bewusstheit.

Der Weg zurück in die Einheit, wie der Weg heraus, ist geprägt von Schmerz. Schmerz ist der erste Anlass zur Schöpfung und Schmerz ist der letzte Anlass zur Rückkehr. Die Sehnsucht ist der ursprüngliche Schmerz. Wenn unsere Sehnsucht uns nicht leiten kann, kommen weitere Schmerzen hinzu, weil dadurch unser ganzer körperlicher und geistiger Metabolismus behindert wird. Behindert wird unsere Sehnsucht, wenn wir, anstatt unserer Sehnsucht zu folgen, aufgrund irgendwelcher Motive, irgendwelchen anderen Zielen folgen, z.B. Anerkennung, Geld etc. Anerkennung und Geld wären in unserer Sehnsucht auch enthalten. Wenn wir ihr vertrauten, brauchten wir uns diese Ziele nicht separat zu setzen. Das meint Jesus mit „suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, alles andere wird euch nachgeworfen werden.“ Aber wir haben uns bereits separiert von der Kraft. Allein durch die Möglichkeit war die Versuchung zu groß, es zu probieren, ob es nicht besser geht auf eigene Faust.

Auch diese Stufe entspringt der Intention der Energie. Es ist uns erlaubt, ja wir müssen es tun, um zur Fülle der Bewusstheit zu gelangen, und trotzdem hat es die Wirkung der Entfremdung. Das erzeugt neuen Schmerz. Die Sehnsucht, die wir da spüren, drängt uns, dass wir wieder zurückkehren zur Einheit. Wir sollen nicht gezwungen werden, wir sollen es selbst erkennen, was natürlich im Zustand der Entfremdung nicht leicht ist. Der Schmerz dieses Zustands spitzt sich daher oft sehr stark zu, mit lebensbedrohlichen Symptomen aller Arten. Aber der Schmerz drängt uns dazu, eine Lösung zu finden. Sobald er sein darf, wird sich obiges Gebet formen und das Gebet wird erhört werden und die Rückkehr ist auf den Weg gebracht.

Das bewirkt der Motor der Evolution.

Dieser Motor, bzw. die Energie, die ihn treibt, ist nicht frei. Es ist eine Grundgesetzlichkeit des Seins, der sogar die Energie selbst unterworfen ist. Die einzige Freiheit, die es alles Seiende gibt, ist, dieser Gesetzmäßigkeit zu folgen. Sich zu unterwerfen unter eine höhere Macht. Sogar Gott selbst unterwirft sich dieser höheren Macht. Aber was könnte das für eine Macht sein? Es ist das Gesetz des sich Verschenkens, das die alleinige Lösung ist für jene Sehnsucht nach einem Gegenüber. Dieses Gesetz treibt alles von Anfang an. Dieses Gesetz war schon vor dem Anfang. Es ist immer schon da. Es ist es. Es ist Gott. Das ist, was der Evangelist Johannes mit dem „Wort“ gemeint hat, das im Anfang bei Gott war.

Und dieses Wort ist logischerweise auch Fleisch geworden und es wird Fleisch in jedem Menschen, der diesem Gesetz folgt. Sie alle sind echte „Kinder Gottes“. Jesus war einer von ihnen. Johannes sagt dann aber eben, dass alle Menschen Kinder Gottes werden können – unter der Bedingung, dass sie „das Wort aufnehmen“, also dem Gesetz folgen. – Diesem Gesetz, meint er, nicht irgendwelchen Dogmen oder Moralvorschriften!

Es gibt nur ein Kennzeichen des richtigen Weges: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“ Auf diesem Weg beginnt nämlich alles zu blühen und Früchte zu tragen. Und diese Früchte sind gut. Das können alle erkennen. Es sind nämlich nicht Früchte nur für sie selbst, sondern für alle. Beispielsweise eine Heilung. Beispielsweise ein einfacher Dienst – nicht aus Moralmotiven, sondern, weil es jetzt die Wahrheit ist. Der Dienst ist die Antwort auf die Sehnsucht, auf den Schmerz. Der Dienst ist also etwas, wohin die schöpferische Kraft treibt, die sich ja selbst von Anfang an in diesen Dienst stellt. Ein Dienst aus Moralgründen hat damit nichts zu tun. Er ist nur eine Zugabe zur Entfremdung, die natürlich ihrerseits wieder den Schmerz verstärkt und damit die Sehnsucht nach einer Lösung. Der Motor ist überall. Umso weiter sich jemand von der Lösung entfernt, umso näher kommt er ihr. Sie ist letzten Endes unausweichlich. Die Hölle ist das Sprungbrett zum Himmel. Wer möchte da schon bleiben? So einfach ist das.

 

„Wenn es nur so einfach wäre!“, sagen da natürlich viele, die in der Entfremdung leben. Sie finden es gar nicht einfach. Aber es könnte einfach sein, wenn sie einfach nur dieses Gesetz erkennen würden, diesen Motor, die „Form“ dieser Energie, die eben auch ihre eigene Form ist. Dann hätten sie sicher nichts mehr dagegen, „Kinder Gottes“ zu werden – eben auf ihre Art.

Die Lösung ist immer die genaue Antwort auf die Situation. Sie ergibt sich aus der Wahrheit. So arbeitet der Motor. Die Wahrheit enthält die Energie und ihr entspringt die Idee zur Lösung.

Was soll Gott machen, wenn er so ist, wie er ist? Er muss sich ein Gegenüber schaffen mit all den Folgen bis herauf zu uns und zu ihm zurück, weil das Gegenüber ja antwortet. So lebt Gott mit seiner Schöpfung und wir mit ihm. Und wenn ihm oder uns etwas daran nicht passt, dann wird die Energie eben ihm und uns die rettende Idee geben.

So läuft der Hase. Er schlägt Haken – und wer noch?

 

 

 

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TC