II. Der Weg im „Plan“ des Weltgeists
02_03_08
Ich weiß heute, dass der Weg, von
dem ich spreche, eine herausragende Rolle spielen wird, sogar was die künftige Weltgeschichte
betrifft. Er könnte auch sehr hilfreich sein im Finden einer Lösung des
gegenwärtigen Konflikts der Kulturen, denn es ist ein Weg für alle. Mehr und
mehr Menschen werden diesen Weg zu ihrem machen, weil er effektiv ist und jeden
persönlich und sozial optimal fördert.
Niemand muss seinen Glauben
aufgeben, aber jeder kann darin seine Bewusstheit erweitern und damit zu einem
völlig neuen Verständnis seines Glaubens gelangen, in dem dann alle anderen
Glaubensrichtungen eingeschlossen [und nicht wie bis jetzt ausgeschlossen]
sind.
Es ist die neue Basis
gegenseitigen Verstehens, die heute notwendig ist, um den Kampf zwischen den
Kulturen umzuwandeln in einen Kampf miteinander statt gegeneinander und zwar in
die Richtung, in die die Paradiesvisionen aller Religionen seit je her schon
deuten.
Das sollte doch allen ein
Anliegen sein. Ich bin sicher, es ist eins und nicht nur eins unter vielen,
sondern das zentrale Anliegen überhaupt. Das ist die Basis des neuen Weges, der
doch nur der alte ist [für alle Kulturen], aber doch heute neu [in allen
Kulturen] definiert werden muss, damit dieser Einigungsprozess in Gang kommen
kann.
Niemand kann verlieren auf diesem
Weg. Alle können nur gewinnen. Es ist eine win/win-Konstellation.
Die, die jetzt imstande sind zu
dieser neuen Sicht, müssen den Weg vorangehen. Die
anderen werden folgen.
Es gibt keine Alternative zu
diesem Weg in seinen vielen Formen, außer dem fortdauernden sich gegenseitig
Niedermachen und Abschlachten, wie es jetzt geschieht. Ich finde, das muss
aufhören und alle müssen daran mitarbeiten.
Eine wichtige Basis für diese
Arbeit sind die Religionen, die ja bis jetzt leider zu sehr viel gegenseitigem
Nichtverstehen beigetragen haben, obwohl sie doch das Paradies anstreben. Das
ist schade. Dieser Kurs muss geändert werden.
Jede dieser Religionen ist daher aufgefordert,
ihren Dogmenschatz auf jene Dogmen zu überprüfen, der diesem Nichtverstehen
Vorschub leistet. Diese Dogmen sind zu überdenken. Ein tieferes Verständnis
dieser Dogmen muss gefunden werden. In ihrem gegenwärtigen Verständnis sind sie
für die Menschen schädlich. Das heißt aber nicht, dass die Formulierungen an
sich unrichtig oder schädlich wären. Sofern ihr gegenwärtiges Verständnis aber
diese schädliche Wirkung hat, müssen sie eben untersucht werden und das
offenbar vorhandene grundlegende Missverständnis der betreffenden Formulierung
(dieses Dogmas) muss im Licht der größeren Einheit entdeckt und revidiert werden.
Ich habe die grundlegenden Dogmen
zumindest der großen Religionen [und auch einiger kleinerer] studiert und ein
neues Verständnis dieser Dogmen gefunden, ein Verständnis auf das sich alle
Religionen einigen können, weil es sie alle auf einer höheren Ebene neu
versteht und eint. [Mit „höher“ meine ich keine Wertung, sondern einfach die
übergeordnete logische Ebene, die Ebene der Synthese – womit ich natürlich nicht
„Synkretismus“ meine.] Wenn sich die Religionen auf solche neue Erklärungen
ihrer Dogmen einlassen können, hat die nächste Etappe der
Bewusstheitsentwicklung eingesetzt. Dann macht die Menschheit einen Sprung nach
vorn, in ein bisher ungeahntes Potential der Bewusstheit mit allen politischen
Konsequenzen und auf der persönlichen Ebene mit massenhaften realen
spirituellen Erfahrungen, die alle bisherige religiöse Theorie weit hinter sich
lassen. Statt zu glauben können die Menschen – und zwar sehr viele – selbst
erfahren und daher wissen.
Natürlich ist der erste Schritt
zu dieser Erfahrung ein Schritt ins Nichtwissen, ein Schritt des Vertrauens,
des Glaubens, nämlich des Glaubens an die tatsächliche Verbindung mit der
Kraft, die das ganze All hervorgebracht hat. Von einem Bewusstsein der „Gotteskindschaft“ ist früher gesprochen worden oder von
einem „Bund mit Gott“.
Das verlangt in Konsequenz
natürlich einen Sprung, heraus aus dem, was wir vorher als „gesichertes Leben“
angesehen haben, in das Risiko. Ohne Risiko wäre es kein Glauben. Wir müssen
also etwas wagen – letztlich unser Leben einsetzen für -?
Für die Wahrheit. Für unsere
Wahrheit. Der Sprung besteht darin, dass wir uns zeigen und uns nicht mehr verstecken
hinter Formeln oder Formulierungen, etwa hinter religiösen Bekenntnissen. Das
Wagnis besteht nämlich genau darin, dass es darum geht, uns so zu zeigen, wie
wir wirklich sind, und uns so mitzuteilen. Das Wagnis besteht in der
Ehrlichkeit. – Natürlich meine ich nicht eine blöde Ehrlichkeit, die, ohne die
Situation zu fühlen, etwas Preis gibt, was an der Stelle vollkommen verschwendet
ist. Es geht darum, einfach (ohne dahinter liegende Theorie) sich zeigen, sich
zumuten, seine Wünsche äußern – natürlich wieder an die geeigneten Adressaten.
Und darauf vertrauen, dass sich daraus letzten Endes [nach der logisch
folgenden vermehrten Wunscherfüllung und Befriedigung] auch eine persönliche
Aufgabe ergibt im Sinn des Weltgeists.
Das ist der Weg, die persönliche
„Berufung“ zu entdecken. Es geht nur durch vorbehaltlose Ehrlichkeit. Alle
Wünsche müssen sein dürfen. Mit dem Respekt vor uns selbst entsteht der Respekt
vor den anderen. Wenn wir sein dürfen [so wie wir sind], dürfen die auch sein.
Das ist ganz normal.
Dagegen wenn uns unsere
Lebensberechtigung aberkannt wird (in den Wünschen der anderen), dann ist ja
klar, dass auch wir Tötungswünsche entwickeln und diese möglicherweise sogar
verwirklichen. Das ist die momentane Situation in vielen Ländern der Erde.
Wie wär’s daher mit Respekt?
Respekt verlangt aber, dass die Widersprüche aufgeklärt werden. Respekt
verlangt Verstehen. Und indem ich den anderen (beispielsweise von einer anderen
Religion) verstehe, muss ich auch seinen Glauben verstehen. Und Verstehen
bedeutet, zustimmen Können. Das aber wieder verlangt
mit Sicherheit ein neues Verständnis des eigenen Glaubens. Die allgemeine
Bewusstheit wird dadurch auf eine neue Ebene gehoben.
Daher bitte ich noch einmal alle
Mitglieder aller Religionen [wie wahnsinnig, wie absurd zu glauben, sie würden
mir zuhören?], ihre eigene Religion nach den Lehren zu erforschen, die einen
Widerspruch mit anderen Religionen darzustellen scheinen und diesen Widerspruch
so lange zu betrachten, bis er sich löst. Die Tatsache des Widerspruchs zeigt
mit Sicherheit auf ein Missverständnis. Diese Auseinandersetzung ist harte
Arbeit, aber es geht. Steine beginnen zu schmelzen, die Dinge kommen in Fluss,
sobald ein Mensch zur Lösung entschlossen ist. Das ist der andere mögliche Weg,
der erste bestand im Verstehen der anderen Religion.
Es ist ein völlig logischer Weg,
das aufzugreifen, was am meisten Reibung verursacht und zu versuchen, diese
Reibung abzustellen. In der Technik hat man die Reibung schon ganz gut
abgestellt, aber wie steht es in unserem persönlichen Leben und in der
Gesellschaft und in der Weltgemeinschaft?
Daher einer der ersten Schauplätze
dieses neuen Weges: die Partnerschaft. Auch da geht es nur darum, sich zu
zeigen, sich zuzumuten, die Wünsche zu äußern – und logischerweise das alles
auch seinem Partner / seiner Partnerin zu erlauben. Ein gemeinsamer Weg kann
nur dort gefunden werden, wo Übereinstimmung ist. Und auch da können die
Reibungspunkte entdeckt und bearbeitet werden, aber eben wieder nur, wenn
Ehrlichkeit herrscht, was ab dem Moment an ja der Fall ist, wo einer sich
zeigt, so wie er ist, ohne Theater, ohne Tünche, einfach wahrhaftig.
Da entsteht von selbst eine
Atmosphäre, in der beide erkennen können, dass sie einfach bedürftige Wesen
sind, die sich doch freuen über jeden Wunsch der ihnen erfüllt wird und die
daher auch Verständnis haben und damit eine gewisse Gewogenheit für die Wünsche
des Anderen. Das hebt die Bewusstheit mit Sicherheit – und es löst die Probleme
der Partnerschaft, samt den Folgen für Nachwuchs etc..
Ein weiterer Schauplatz wäre der
der Unternehmen. Für ein auf diesem Weg geführtes Unternehmen wird es wichtig
sein, gut zu kommunizieren mit den Mitarbeitern und mit den Kunden, sowie auch
mit der Konkurrenz. Und eine für alle profitable Lösung finden. Jetzt herrscht
oft eine Ausbeutungsmentalität. Das muss nicht so bleiben. Es gibt auch hier
das win/win-Modell, in dem
sowohl die Kunden als auch die Mitarbeiter als auch die Aktionäre profitieren.
Wer würde sich solche Unternehmen nicht wünschen? Es ist möglich, aber es
braucht dazu eine bewusste Entscheidung für diese Unternehmenskultur. Und
dieser Weg bietet eine Basis für eine derartige Entscheidung.
Ein weiterer Schauplatz ist
beispielsweise die Psychiatrie. Hier ist es so, dass die traditionelle
Psychiatrie von der These ausgeht, eine psychische Erkrankung wäre eine
angeborene Stoffwechselstörung, die nur durch lebenslange medikamentöse
Behandlung unter Kontrolle gehalten werden kann. Es gibt keine
Heilungsaussichten, es gibt nur eine chemische Linderung der Symptome.
Hier würden die Patienten sich
fragen, ob dieses Dogma das letzmögliche Verständnis
ihrer Krankheit ist oder ob es auch noch andere Perspektiven geben könnte. Und
ich präsentiere ihnen die ganz andere Perspektive: Anstatt sich als kaputte
Produkte des Zufalls zu betrachten, verdammt zu lebenslänglicher
Reparaturbehandlung, können sie sich als ein Wunder der Schöpfung betrachten,
nämlich einfach als eine der Erscheinungen der großen Kraft, als Kind Gottes,
und als solches berufen zur persönlichen Entfaltung. Dann nämlich bekommt die
Erkrankung einen neuen Sinn. Sie ist nun nicht mehr ein unglückseliger Defekt,
sondern der Versuch einer Lösung eines Defekts, der ganz wo anders herkommt.
Und so können sie ihre Erkrankung verstehen und sie können das, was sie
notwendig gemacht hat, nun mit anderen Mitteln erreichen, nun, da die
Bewusstheit dafür ausreicht. Dann ist die Krankheit nicht mehr notwendig und
dann wird sie verschwunden sein. Klar dass so Geheilte einen Quantensprung der
Bewusstheit gemacht haben – und dass sie für die Sozialkassen keine Belastung
mehr sein werden, sondern im Gegenteil wertvolle Therapeuten. Also wer sollte
sich eine derartige Entwicklung nicht wünschen?
Was braucht diese Entwicklung?
Glauben, wie alles andere auch. Irgendwer muss anfangen, zu vertrauen, dann
breitet sich das Vertrauen aus. Am besten daher die unangenehm Betroffenen, die
Leidtragenden, die Kranken. Auch sie müssen nur ehrlich sein, bzw. sich um
Ehrlichkeit bemühen, denn keiner ist auf Anhieb ehrlich, das braucht ein
Training, ein ständiges sich darum Bemühen.
Der erste Anfangspunkt dieser
Ehrlichkeit ist, zu erkennen, dass wir selbst das Wichtigste sind, das es gibt
auf der Welt, nämlich der wandelnde Gott auf Erden. So unglaublich das im
ersten Moment für einen psychisch Kranken sein mag – oder eine geglaubte
Selbstverständlichkeit für manche Maniker. Es ist möglich,
ein Verständnis diese Tatsache zu gewinnen, das nichts Größenwahnsinniges hat.
Denn natürlich sind wir gleichzeitig ein Nichts im Vergleich zu dem Vielen –
aber eben doch das Wichtigste auf der Welt. Das sind die zwei Ebenen, die zwei
Pole zwischen denen wir uns bewegen. Und es wird gut sein, uns immer beider
Seiten bewusst zu sein. Sonst bleiben wir in den Fängen der Krankheit, die ja
gerade in diesem Ungleichgewicht liegt.
Und so geht der Weg auf allen
anderen Ebenen auch. Es beginnt mit absolutem Respekt vor uns selbst, im
Bewusstsein der Tatsache, dass jeder Mensch eine Erscheinung Gottes auf Erden
ist. Und daraus folgt das Vertrauen in das Leben. Denn die große Kraft will
logischerweise, dass es uns gut geht, dass wir wachsen und gedeihen können.
Deshalb bringt doch die Bibel das Bild mit dem Garten, den Gott gepflanzt hat,
als etwas, das gehegt und gepflegt wird. So sind wir gedacht von der
schöpferischen Intention und nicht nur gedacht, sondern wir werden tatsächlich
gehegt und gepflegt. Das merken wir, sobald wir uns auf diesen Weg begeben. Vorher
aber arbeiten wir dieser natürlichen Pflege oft entgegen durch unreflektierte
Ansichten und Einstellungen, die auf uns in dieser Situation gar nicht passen.
Daher müssen wir lernen, auch in uns selbst auf die Widersprüche zu achten und
uns auch selbst in der Weise pflegen, dass wir die Reibungen abbauen und das
Gleiten erleichtern. Und auch dadurch erreicht die Bewusstheit eine neue Ebene.
Es gibt keinen Bereich des
Lebens, der davon nicht profitieren könnte.
Ich kann nur hoffen, dass sich
niemand daran stößt, dass ich von diesem Weg in solchen Tönen spreche, die
leicht für größenwahnsinnig gehalten werden können. Für mich persönlich gibt es
keinen Grund, mir auf irgendetwas etwas einzubilden. Durch den Zufall meiner
Lebensgeschichte bin ich auf diesen Weg der Suche und des Findens geschickt
worden. Ich wurde nicht gefragt. Es wurde mir nur eine Situation nach der
anderen präsentiert. Ich hatte nicht die Wahl, abzulehnen. Es wäre unmöglich
gewesen. Aber das Ergebnis ist diese heutige Beschreibung des Weges. Und diese
Beschreibung kann für alle passen. Durch sie kann eine neue Einigung der ganzen
Menschheit entstehen und ein Schub in der Bewusstheit der Menschen, dessen
Folgen noch gar nicht auszudenken sind.
„Es ist möglich“, das ist die
heutige „Frohe Botschaft“. Es geht nur um diese Möglichkeit, darum, dass sie
ergriffen und realisiert wird von möglichst vielen, denn diese Bewegung wird
ein Segen sein für die ganze Menschheit.
Sogar Atheisten können sich für
diesen Weg entscheiden, weil der Gott, die Kraft, an die wir uns wenden, ja
nicht jener mythische alte Gott ist, der da irgendwo draußen sitzt und uns
misstrauisch beobachtet und uns in die ewige Hölle wirft, wenn wir etwas nicht
schaffen. Diesen Gott gibt es in Wirklichkeit nämlich gar nicht. Daher haben
die Atheisten Recht, wenn sie sich weigern, an diesen Gott zu glauben, an
dieses Horrorgespenst. Dieses Horrorgespenst ist ein Produkt der Welt der
Paranoia. Solange dieses Gespenst uns verfolgt, können wir die wirkliche Kraft
des Universums nicht sehen. Wir müssen und wir können aber in die andere Welt
überwechseln, in die Welt des Vertrauens und dann können wir die große Kraft
wirklich „sehen“ und erleben. Und diejenigen, die sich als „Atheisten“
betrachten, können das auch. Alles, was dazu nötig ist, ist eine realistische
Einstellung dem Leben gegenüber, denn dann wird man sich einfach der
Instrumente bedienen, die wirklich helfen. Das ist absolut ohne jeden
Aberglauben realisierbar. Trial and Error, die uralte wissenschaftliche
Methode, reicht dafür aus.
Aber – wie schon gesagt – ist es
nicht ohne Risiko realisierbar. Und Fehlschläge auf dem Weg des Lernens müssen
als normal einkalkuliert werden. Die ganzen Rückfälle in die Unbewusstheit, die
wir erleben werden, könnten uns sogar entmutigen, wenn wir nicht dann, wenn wir
wieder mit der Kraft verbunden sind, wahrnehmen könnten, dass sie keine
Phantasie ist, sondern Realität. Wir müssen uns auf viele Fehlschläge
einstellen. Diese Fehlschläge sind in Wirklichkeit aber gar keine Fehlschläge,
sie sind nur die notwendigen Stationen unseres Suchprozesses, durch den wir uns
nach und nach [nach den Erfahrungen mit unserem Handeln und mit unseren
Einstellungen] immer schneller und immer feiner einstimmen lernen in den Geist
des Ganzen.
Das, was ich „Geist des Ganzen“
nenne, ist eine Perspektive, nämlich ein Schauen und Wahrnehmen durch die Augen
des einen großen Geists. Damit wir das können, müssen wir unsere Vorstellungen zumindest
für diese Zeit suspendieren, da sie sonst die Wahrnehmung so überlagern würden,
dass eine wirkliche Wahrnehmung gar nicht mehr möglich wäre. Dieser Weg, die
Vorurteile zu überwinden, macht es notwendig, auch äußerlich, physisch,
körperlich, geistig, intellektuell und mit allen unseren Gaben all das zu
betrachten, woran wir uns stoßen und zu versuchen, es zu verstehen mit allem
Wohlwollen, das uns möglich ist. Erst wenn wir es voll verstanden haben, wenn
wir ihm voll zustimmen können, haben wir unser Vorurteil überwunden. – Mit diesem
Zustimmen meine ich nicht, dass wir real etwas geschehen lassen sollen, was uns
nicht recht ist. Dagegen müssen wir natürlich eintreten. Aber es wird uns sehr
helfen in unserer Auseinandersetzung mit den Widrigkeiten des Lebens und der
Menschen, wenn wir verstehen.
Der Prozess, des sich Befreiens
von den eigenen Vorurteilen, ist in verschiedenen spirituellen Schulen als ein
„Reinigungsprozess“ beschrieben worden. Diese Reinigung besteht nicht in einer
Gehirnwäsche. Um eine solche geht es allerdings in manchen Sekten. Durch
Gehirnwäsche wird der Schmutz aber nicht beseitigt, sondern vermehrt. Das
Gehirn muss nicht, kann gar nicht gewaschen werden. Nur neue Vorurteile können
durch Gehirnwäsche eingeprägt werden. Unser Wahrnehmungs- und
Welterfassensinstrument verfügt aber über ganz natürliche
Ausscheidungsmechanismen. Ihnen gemäß wird etwas ausgeschieden, wenn es
erledigt ist. Durch Gehirnwäsche werden Fragen nicht erledigt, sondern nur
weiter nach hinten rangiert, wo sie aber nicht auf Dauer festgehalten werden
können, weil die Suche nach Wahrheit in uns doch mächtiger ist, als alle Tabus.
Das Leben drängt mit Macht nach
Entfaltung. Das ist eine Naturgegebenheit. Es ist die Grundlage der Natur. Es ist
eben jene eine Kraft, die überall nach Durchsetzung drängt. Es fehlt also nirgendwo
an Kraft. Die Kraft ist immer da, die Frage ist nur, ob wir auf sie eingestimmt
sind oder nicht. Wenn nicht, werden wir gegen sie arbeiten und uns damit selbst
behindern. Wenn wir uns auf sie einstimmen, steht sie uns zur Verfügung. Aber
es ist klar, dass die persönliche Lebensreise nun der privaten Sphäre enthoben
ist. Nun sind nicht mehr wir die Herren unseres Lebens, nun ist diese Kraft der
Herr unseres Lebens – ganz so wie die heiligen Schriften aller Völker es sagen.
Sie ist es zwar immer schon der Herr gewesen, aber solange wir diese Tatsache
nicht erkannten, versuchten wir, unser privates Süppchen zu kochen im großen
Konkurrenzkampf. Die Bibel würde sagen „in der Welt des Baal“,
eben jenes vermeintlichen Gotts, der die Welt des
Fressens und Gefressen Werdens beherrscht.
Die Welt des biblischen „Jahwe“
unterscheidet sich grundlegend von der Welt des biblischen „Baal“.
Die Welt Jahwes ist die Welt des Vertrauens. Die Welt des Baal ist die Welt von Größenwahn und Paranoia. Sie
ist von Angst beherrscht. Angst verengt bekanntlich die Gefäße, bewirkt also
Stoffwechselstörungen. Für die Unterlegenen in diesem System wird sich das in
Form von Krankheiten ausdrücken, für die es keine Heilung geben wird, weil die
Krankheiten ja nur Ausdruck eines grundlegenden Fehlers in der
Lebenseinstellung sind. Damit sage ich nicht, dass die Kranken selbst schuld
wären an ihrer Krankheit. Sie sind es nämlich nicht, es ist eine Erkrankung des
ganzen Systems, zu dem man gehört. Die Individuen, die es trifft haben nicht
unbedingt etwas dazu beigetragen. Sie haben die Schwäche entweder ererbt oder
über die Wege der sozialen Kommunikation übertragen bekommen.
Die „Möglichkeit“, von der ich
spreche, besteht darin, dass ein Mensch, der zu einem bestimmten Zeitpunkt in
seinem Leben sieht, wie es um ihn steht, ein neues Leben beginnen kann, in dem
andere Gesetze herrschen, in dem Licht auf die dunklen Stellen geworfen wird. Es
wird auch Licht auf die Kräftekonstellationen seiner Ahnen und seiner Umgebung
geworfen, sodass er/sie sich selbst versteht und sich geführt sieht von dem
einen großen Geist. Von da an beginnt logischerweise die Heilung. Solange ein
Mensch im Dunkel der Welt der Angst lebt, gibt es keine Heilung. Heilung gibt
es nur in der Welt des Vertrauens. Das Licht, das in dieser Welt scheint, ist
das Licht der Bewusstheit.
All die großen revolutionären
Ideen unserer Geschichte, wie die französische Revolution oder die
kommunistische Revolution hatten das irgendwo im Hintergrund, aber eben als
ferne Vision und daher setzten sie am falschen Punkt an. Die Heilung kommt eben
nicht von der Vernunft, sondern von der Bewusstheit, in der die Vernunft nur
ihren natürlichen bescheidenen Platz einnimmt neben all den anderen
Wahrnehmungen. Und sie kommt auch nicht durch das Gemeinschaftseigentum an
Produktionsmitteln, das kann vielleicht ein Ergebnis sein in einer späteren
Phase der Entwicklung, aber es ist nicht die Schlüsselstelle. Die
Schlüsselstelle der Veränderung ist die Bewusstheit, die Sensitivität, die
Aufmerksamkeit. Und das sich Respektieren. Und die anderen respektieren,
logischerweise, denn durch fehlenden Respekt den anderen gegenüber würden wir
die Realität ignorieren. Und das könnte nicht lange gut gehen. Aus diesem
Respekt ergibt sich von allein eine gerechtere Verteilung der Güter und der
Information, so wie die Kommunisten es ersehnt hatten. Dieser Weg ist daher
auch ein Weg für Kommunisten. Natürlich nur, wenn ihnen wirklich die
Gemeinsamkeit ein Anliegen ist, nicht wenn sie nur eine Ideologie im Kopf
haben. Die Ideologen werden diesen Weg ablehnen, wie alle Apparatschiks
überall. Für die echten Kommunisten aber eröffnet dieser Weg ganz neue Chancen für
die Realisierung ihres Traums von der Gemeinschaft. Es ist eine zwangfreie
Realisierung von Gemeinschaft, nicht verordnet, sondern frei gewählt – aber letzten
Endes doch nicht „frei“ gewählt, denn unsere Natur hat schon vor uns gewählt
und uns ein inneres Bild des Himmels mitgegeben, in dem eine Gemeinschaft von
sich gegenseitig respektierenden freien Wesen versucht, diese Vision
Wirklichkeit werden zu lassen. Jeder in seinem Bereich.
Die Verwirklichung beginnt damit,
dass wir mit dem schon Beschriebenen beginnen, dass wir anfangen, uns selbst
und alle anderen als einzigartige Erscheinungen der großen Kraft zu erkennen
und uns ganz natürlich entsprechend zu verhalten. Ohne Moral, ohne behördlichen
Zwang, ohne inneren geistigen Zwang etwa durch eine Ideologie, also einfach von
selbst. Nur so fühlen wir uns wohl und nur so können wir es den anderen auch
erlauben, sich ebenso wohl zu fühlen.
Selbstverständlich werden wir da
Dienste, die für uns angesagt sind, nicht verweigern. Durch jeden Dienst werden
wir wachsen. Wir sind am Ende die Beschenkten. Die notwendigen Dienste ergeben
sich aus unseren Begegnungen. Da sind die „Nächsten“ zu finden, von denen Jesus
gesprochen hat. Da, wo wir sind, müssen/dürfen wir uns einsetzen. Indem wir dem
großen Geist folgen, werden wir nicht mehr fragen, was bringt es uns, sondern
es wird uns eine Freude sein, zu geben, was wir haben.
Solange die Nächstenliebe ein
Gebot ist, sind wir nicht da. Wenn es eine Freude wird, sind wir da. Sobald wir
uns auf den großen Geist einstimmen, sind wir da. Und da ist immer alles ok. Da ist alles gut.